Das Kirchenjahr


Pfingsten

 

Liebe Gemeinde,

 

in wenigen Tagen feiern wir Pfingsten.

 

Ich denke, Sie kennen alle die Geschehnisse, die Lukas in der Apostelgeschichte beschreibt:

 

„Zu Beginn des jüdischen Pfingstfestes waren alle Apostel beieinander. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen – wie von einem gewaltigen Sturm – und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten. Zugleich sahen sie etwas wie zündelndes Feuer, das sich auf jeden Einzelnen von Ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab. Die aus aller Welt in Jerusalem zu Pfingsten versammelten Juden hörten die Apostel in ihrer eigenen Sprache reden …“

 

Der hier erwähnte Begriff „Pfingsten“ stammt aus dem Griechischen, einer in der Region weit verbreiteten Sprache. Übersetzt heißt Pfingsten „fünfzigster Tag“. Pfingsten war dabei der 50. Tag nach dem seit Jahrhunderten gefeierten jüdischen „Fest der Ernte“. 

 

Dieses jüdische Pfingsten, an dem sich die Jünger versammelten, lag zugleich 50 Tage nach Jesus‘ Auferstehung und wenige Tage nach Jesus‘ Himmelfahrt. Jesus soll am „Fest der Ernte“ auferstanden sein – so die Überlieferung.

 

In der frühchristlichen Zeit beendete Pfingsten nur eine 50-tägige Freudenzeit nach Ostern. Heute ist Pfingsten der 50. Tag in der Osterzeit und bildet zugleich den Abschluss der Osterzeit, die für die Auferstehung des Herrn steht.

 

Pfingsten ist mittlerweile neben Weihnachten und Ostern ein eigenständiges sogenanntes „Hochfest“, an dem das von Jesus angekündigte Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird. 

 

So heißt es nach dem 2. Vatikanischen Konzil zur Pfingstmesse: 

„Heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast.“ 

Dieser Pfingsttag in der Apostelgeschichte wird somit in der christlichen Tradition als Geburtstag unserer Kirche verstanden: Der Heilige Geist gilt als die schöpferische Macht allen Lebens. Er ist in die Welt gesandt, um Person, Wort und Werk Jesu Christi lebendig zu erhalten.

 

In vielen Regionen hat sich heute typisches Pfingst-Brauchtum entwickelt, so u.a.:

  • Hirtenfest insb. im Süddeutschland
  • Pfingstsingen im Bergischen Land
  • Pfingstzeltlager
  • Birkenstecken, vergleichbar dem Aufstellen eines Maibaums.

Als Christen sind wir aufgerufen, mit der Gabe des Heiligen Geistes Christi Wort zu leben und zu zeigen.


Fronleichnam in St. Margareta

 

Liebe Gemeinde,

in wenige Tagen feiern wir mit einer kurzen Prozession zum Antoniuskolleg Fronleichnam – 60 Tage nach Ostersonntag und 10 Tage nach Pfingstsonntag. 

 

Das Wort Fronleichnam leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab:

  • Fron bedeutet dabei dem Herrn gehörend, 
  • lichnam heißt übersetzt lebendiger Leib

also kurz: Fronleichnam bedeutet Leib des Herren.

 

In der Bibel gibt es keine spezifischen Texte, die direkt den Feiertag Fronleichnam begründen. Dennoch gibt es in den Evangelien sowie beim Apostel Paulus Passagen, die den zentralen Grundgedanken des Fronleichnamsfestes, nämlich

  • die Feier der Eucharistie und 
  • das letzte Abendmahl,

bilden.

So heißt es bei Matthäus:

„Nehmt und esst, das ist mein Leib.“ Ebenso nahm er den Kelch mit Wein, dankte und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten: "Trinket alle daraus; das ist mein Blut des ewigen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden".

 

Und im Korintherbrief beschreibt der Apostel Paulus die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus und seine Aufforderung, das Abendmahl in Erinnerung an ihn zu feiern.

Ursprung des Fronleichnam-Festes war eine Vision der Augustiner-Nonne Juliana von Lüttich Anfang des 13. Jh.: In einem Traum habe sie den Mond gesehen, der an einigen Stellen dunkle Flecken aufwies. Dies wurde dahingehend gedeutet, dass der Kirche ein Fest zu Ehren der Eucharistie, also der Verehrung von Brot und Wein, und zur Erinnerung an das letzte Abendmahl fehlte. Sie veranlasste Papst Urban IV, ein solches Fest einzuführen. Im Jahr 1264 erhob dann der Pabst das Fronleichnam-Fest zum Fest der Gesamtkirche, das am zweiten Donnerstag nach Pfingsten stattfinden solle. Aus dem Fronleichnamsfest entwickelte sich im Laufe der Jahre die Fronleichnamsprozession. Die erste fand übrigens im Jahre 1279 in Köln statt. 

 

In vielen katholisch geprägten Regionen finden heute Fronleichnamsprozessionen statt: Feierlich wird - begleitet von zahlreichen Gläubigen, Chören, Messdienern, Priestern - die geweihte Hostie, die den Leib Christi symbolisiert, in einer Monstranz durch die geschmückten Straßen der Gemeinden getragen. 

Insofern ist die Fronleichnamsprozession 

  • ein öffentliches Bekenntnis des katholischen Glaubens und 
  • eine sichtbare Erinnerung an Jesus letztes Abendmal mit seinen Jüngern vor seiner Kreuzigung.

Verkündigung Karwoche

 

Liebe Gemeinde,

vor Ostern feiern wir die Heilige Woche, die letzte Woche der Passionszeit und somit auch die letzte Woche vor Ostern – häufig auch Karwoche genannt. Doch die Perspektive ist leicht verändert: Im Unterschied zur Karwoche stellt die Heilige Woche weniger die Trauer und Klage, sondern eher die Erwartung und die freudige Erfüllung in den Mittelpunkt. So umfasst sie

  • die Feier Jesus‘ Einzugs in Jerusalem am ersten Tag der Heiligen Woche, dem Palmensonntag, und nach 3 eher ruhigen Tagen
  • das Triduum Sacrum, die „Heiligen Drei Tage“:
    • sie beginnen mit der Messe vom letzten Abendmahl am Abend des Gründonnerstags und
    • es folgen am Karfreitag das Gedächtnis und Miterleben Jesus‘ Leiden und Sterben und schließlich 
    • nach dem Tag der Grabesruhe und Erwartung am Karsamstag
    • die Feier der heiligen Osternacht am achten Tag dieser heiligen Woche. 

Sie kennen alle die Beschreibungen von Matthäus und Johannes über Jesus‘ umjubelten Einzug in Jerusalem im Neuen Testament. Doch diese beiden Evangelisten haben nur die Worte des Propheten Sacharja wiederholt.

Sacharja ist einer der 12 sogenannten „Kleinen Propheten“. Er hatte - so heißt es – bereits im 6. Jh. vor Chr. auf die Ankunft des „kommenden Friedenskönigs“ hingewiesen. Im 9. Buch Sacharja heißt es: 

"Jauchze laut, du Tochter Zion!

Jauchze, du Tochter Jerusalem!

Siehe, dein König kommt zu dir.

Gerecht und siegreich ist er, 

demütig und auf einem Esel reitend, 

auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin."

Mit der Wiederholung Sacharjas Worte wollen die Evangelisten in Jesus‘ Einzug in Jerusalem den Beginn der Erfüllung der biblischen Prophezeiung, den Sieg über den Tod und die Sünde, zum Ausdrück bringen. 

Mit der Feier der Osternacht, der Feier der Auferstehung beginnt die österliche Freudenzeit und so auch für uns ein neues Leben, ein Leben mit Vertrauen in Liebe.


Kreuzwegandachten

 

Die Kreuzwegandachten, über die alle 4 Evangelisten berichten, finden üblicherweise in der 40-tägigen Passionszeit statt.

In Jerusalem feierte man bereits im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, indem man den Kreuzweg Jesu von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus über den Tod am Kreuz bis hin zur Ruhe im Grab nachging. Dieser Kreuzweg wird meist auch „via dolorosa“ – wörtlich „der Weg der Schmerzen“ - genannt.

Dabei bestand der Kreuzweg jedoch nur aus 2 Stationen, an denen Gläubige betend verweilten: Am Amtssitz des römischen Stadthalters Pontius Pilatus, wo Jesus zum Tode verurteilt wurde und auf Golgatha, wo Jesus gekreuzigt wurde.

Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten bei uns sind seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Sie umfassten meist 12 Stationen. Sie folgten Berichten von Pilgern, die sich schon in der Frühzeit des Christentums immer wieder auf den Weg machten, um betend und singend die Orte des Leidens und Sterbens Jesu nachzugehen. 

Im 17. Jh. fügte der spanische Franziskaner, Antonius Daza die 2 restlichen Stationen hinzu, so dass heute Kreuzwegandachten 14 Stationen umfassen, beginnend mit dem Todesurteil über die Begegnung mit seiner Mutter Maria und der Kreuzigung bis hin zur Grablegung.

Zuweilen findet man mit der Darstellung der Auferstehung Jesu Christi durch das leere Grab eine 15. Kreuzwegstation.

Papst Paul VI griff 1964 wieder eine alte Tradition auf: Seitdem findet alljährlich in der Karwoche unter Beteiligung des Papstes eine Kreuzwegandacht im Kolosseum in Rom statt, die von zahlreichen Fernsehstationen weltweit übertragen wird.

 

Gehen Sie deshalb mit uns den Weg, den Jesus durch Leiden, Tod und Auferstehung für uns vorausgegangen ist. 

Lassen Sie uns gemeinsam in unseren Gedanken, in unseren Gebeten die letzten Stationen des Lebens Jesu Christ miterleben und damit zeigen, welche Hoffnung, welchen Auftrag und welche Kraft Jesus uns gegeben hat. Lassen Sie uns zeigen, dass Jesus in uns lebt.


Das Erntedankfest 

 

Das Erntedankfest ist ein weltweit verankerter kultureller Ritus. 

Erntedankfeste gab es bereits weit vor unserer Zeitrechnung.

Im ersten Buch der Bibel ist vielleicht das erste „Erntedankfest“ niedergeschrieben:

Die Brüder Kain und Abel bringen Gott die Erzeugnisse ihrer jeweiligen Arbeit dar: 

Kain opfert Früchte, sein Bruder als Hirte ein Tier seiner Herde.

 

In Dankbarkeit wird an den Ertrag der Natur erinnert – und daran, dass es nicht allein in den Händen der Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. 

Das Fest drückt den Dank an unsere Natur, den Dank an den Schöpfer und den Dank an die Arbeit der Menschen aus, die die Ernährung der Menschen ermöglichen. 

Das Fest macht uns auch bewusst, dass die Ernte der Früchte unserer Erde wie Obst, Gemüse und Getreide keine Selbstverständlichkeit darstellt. 

Das Erntedankfest mahnt uns zugleich, mit der Schöpfung, mit unserer Natur sorgsam umzugehen.

 

In der katholischen Kirche ist das Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt und gilt als eines der ältesten Feste der Kirche. 

Die deutsche Bischofskonferenz legte vor Jahren den ersten Sonntag im Oktober als Feiertagstermin fest, ohne jedoch diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich vorzuschreiben. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest aber bis heute nicht. Den Gemeinden bleibt damit freigestellt, das Fest zu feiern. 

Dennoch ist der Dank für eine gute Ernte seit langem in vielen katholischen Gemeinden üblich geworden: So feiern vielen Gemeinden die Eucharistie im Herbst - vielfach auf einem von Ernte-Gaben umgebenen Altar - als Dank für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit.