Chorgemeinschaft St. Georg


Ansprechpartner:

Walter Eisenreich

Telefon: 02247/9 23 55 20

E-Mail: walter.eisenreich(at)web.de

 

Chorleiterin:

Dorothea Jacob

 

Wöchentliche Probe:

Donnerstags 20 bis 22 Uhr

im Pfarrheim Sankt Georg - Seelscheid




Aktuelles


15.04.2021

Seit einem Jahr gemeinschaftlich durch die Krise

 

Vor über einem Jahr fand die letzte „normale“ Chorprobe der Chorgemeinschaft St. Georg statt. Seitdem sind Kreativität und Geduld gefragt, um den über 160 Jahre alten Verein zusammen zu halten, obwohl ausgerechnet das wichtigste, verbindende Element fehlt, das gemeinsame Singen. Das ist nur noch in kleinsten Gruppen und zu besonderen Gottesdiensten in der katholischen Kirchengemeinde St. Georg möglich. Dirigentin Dorothea Jakob schafft es dennoch, auch in dieser Zeit, ihre Sängerinnen und Sänger mit ausgesuchter Chorliteratur und Übe-CDs musikalisch zu begeistern. Darüber hinaus sorgt der Vorstand mit kleinen Aktionen für ein bisschen Gemeinsamkeit. Zu Ostern wurden Grüße des Vorsitzenden, Walter Eisenreich, ein Chor-Poster und ein traditionelles Osterei nebst Schoko-Hasen liebevoll verpackt und an alle aktiven Mitglieder verteilt. Eine kleine Freude, die angesichts der dritten Corona-Welle viel Freude und ein bisschen Zuversicht bescherte.

 

Beate von Berg, stellv. Vorsitzende

 


07.12.2020

160 Jahre Chorgemeinschaft St. Georg 1860 Seelscheid

 

Ein besonderes Zeichen der Gemeinschaft in einem etwas anderen Jubiläumsjahr

 

Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 alles umgewälzt, so auch das geplante 160jährige Jubiläum der Chorgemeinschaft St. Georg. War man im Advent 2019 noch mit zwei fulminanten Konzerten des Weihnachtsoratoriums ins Geburtstagsjahr gestartet, kam wenige Monate später alles anders, als gedacht. Weder das Jubiläumsfest im Juli, noch das Konzert mit dem befreundeten Chor aus Dersdorf konnten stattfinden, ebenso wenig das traditionelle Cäcilienfest und das Nikolauskonzert. Als im Sommer für kurze Zeit das Proben in Kleinstgruppen ermöglicht wurde, war die Freude bei den Sängerinnen und Sängern riesengroß, denn das gemeinsame Singen und Zusammensein haben alle schmerzlich vermisst..

 

Damit das Chorleben auch in der neuerlichen Zwangspause wenigstens ein bisschen lebendig bleibt, hat sich der Vorstand der Chorgemeinschaft etwas Besonderes ausgedacht. Die schönsten Momente der letzten Jahre wurden in einem Foto-Adventskalender zusammengetragen. Jedes Mal, wenn ein Türchen des Kalenders geöffnet wird, sollen die Bilder vom Musizieren, Lachen, Verreisen und Feiern ein bisschen Gemeinschaft in diesen einsamen Advent bringen. Pünktlich zum 1. Dezember werden alle Adventskalender zu den Sängerinnen und Sängern gebracht und an der Haustür persönlich überreicht. Ein versöhnlicher Abschluss des Jubiläumsjahres.

 

Walter Eisenreich, der Vorsitzende der Chorgemeinschaft freut sich, den ersten Kalender an Edelgard Busch zu überreichen, die mit fast 88 Jahren älteste Sängerin des Chores, die das Singen und die Kontakte zu den langjährigen Vertrauten sehr vermisst. Der Kalender wurde von Beate von Berg und Janette Trapphagen gestaltet, die meisten Fotos stammen von Paul Oberdörster und Anke Brüggehagen.

 

Die Wurzeln der heutigen Chorgemeinschaft St. Georg reichen bereits bis ins 18. Jahrhundert. So befindet sich im Archiv der Gemeinde ein Vertrag von 1774 zwischen dem damaligen Pfarrer und einem Küster und Chorleiter Peter Bungart über die jährliche Besoldung von zwei Talern. Ein nachfolgender Pfarrer stiftete den Damen des Chores eine Kirchenbank, damit der Chor nicht in der ganzen Kirche verstreut säße „welches dem Gesang abträglich ist“. Damit ist zugleich überliefert, dass es damals bereits einen gemischten Chor gab.

 

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die beiden heutigen Seelscheider Kirchen gebaut, die evangelische Kirche in Dorf-Seelscheid, die katholische Kirche in Berg-Seelscheid, angelehnt an den mittelalterlichen Wehrturm. 1859 wurde die „neue“ Kirche geweiht, 1860 war sie fertig gestellt. Der Seelscheider katholische Dorfschullehrer und Chorleiter Peter Anton Weeg gab den Anstoß, für die größere Kirche auch einen größeren Chor zu gründen.

 

Im Zuge des aufblühenden Vereinswesens im 19. Jahrhundert wurde nun auch in St. Georg ein ordentlicher Verein gegründet, ganz in der Mode der Zeit als Männergesangsverein mit dem Vereinsnamen Katholischer Kirchenchor Männergesangsverein „Eintracht“ Seelscheid. Auf der ersten Chorfahne von 1874 stand das Motto des jungen Vereins: Frömmigkeit, Frohsinn, Freundschaft. Die Vereinssatzung von 1895 ist erhalten, mitsamt einer Liste der Chormitglieder. Deren Nachfahren sind vielfach seit mehreren Generationen bis heute im Chor aktiv.

 

Der Verein wurde in den Folgejahren seiner Gründung immer größer und erweiterte sein Aufgabengebiet. Bereits 1885 wurde ein Blasorchester aus Mitgliedern des Vereins ins Leben gerufen. Im Winter wurden Karnevalssitzungen organisiert, deren Programm von den Chorsängern und ihren Angehörigen einstudiert wurden. Bis in die Mitte der 1960er Jahre wurde außerdem zu jeder Fastenzeit ein Theaterstück auf die Bühne gebracht, darunter Klassiker dieser Zeit wie die „Geierwally“, „Der Hauptmann von Köpenick“, „Die Sühne am Wildbach“ oder „Der Knecht vom Eichhof“. Auch bei der traditionellen Kirmes (entstanden aus dem Kirchweihfest) war der Chor eingebunden, seit dem Bau des Pfarrheims am Ehrenmal wurde die Kirmes vollständig in eigener Regie organisiert. Diese Feste des katholischen Chores waren „Events“ im Dorfleben, zur Kirmes 1978 traten gar die „Bläck Föös“ im katholischen Pfarrheim auf.

 

Das Singen kam bei all dem nicht zu kurz, vor allem weil bei den zahlreichen Konzerten die Freundschaft zu Chören aus benachbarten Ortschaften gepflegt wurde. Man unterstützte sich durch gegenseitige Auftritte. Eine besondere Freundschaft pflegt man seit vielen Jahren mit dem evangelischen Kirchenchor Seelscheid, auch schon in Zeiten, als die offizielle Ökumenebewegung noch in den Kinderschuhen steckte. Dazu mag sicher auch die enge Freundschat zwischen dem früheren katholischen Pfarrer Franz Steden und dem früheren evangelischen Pfarrer Friedrich Haarhaus beigetragen haben.

 

Als Anerkennung für seine kulturellen Leistungen erhielt der Chor vom Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen 1965 die von Bundespräsident Heuss gestiftete Zelterplakette und 1978 die Humperdinck-Medaille des Sängerkreises Rhein-Sieg.

 

Ein Meilenstein in der Geschichte des Chores war die Umwandlung in einen gemischten Chor im Jahr 1973. Dies fiel dem über 100 Jahre alten Männerchor nicht leicht, doch als auch Pfarrer Franz Steden dazu riet, mit der Zeit zu gehen, wurde die Umwandlung beschlossen. 1974 wurde dann folgerichtig der Name geändert und aus dem Männergesangsverein Eintracht wurde die Chorgemeinschaft St. Georg 1860 Seelscheid. Mit der Jahreszahl im Namen wird bis heute an die Tradition des Vorgängerchors erinnert.

 

Über 40 Jahre hat Peter Karisch als Chorleiter die Geschichte der Chorgemeinschaft und ihre großen Erfolge geprägt, bis er im Jahr 2013 die musikalische Leitung an Dorothea Jakob übergab. Die junge Sängerin und Dirigentin führte den Chor zu neuen Erfolgen, mit viel beachteten Konzerten geistlicher und weltlicher Musik bis hin zu den Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach im Dezember 2019.

 

Die Geschichte des Katholischen Chores in Seelscheid spiegelt 160 Jahre typische Vereinsgeschichte. An ihr lassen sich Tendenzen ablesen, die so auch für andere Vereine gelten. Dies gilt für die Hoch-Zeiten in den Nachkriegsjahren genauso wie für die gegenwärtigen Nachwuchsprobleme. Bisher hat es der Chor immer geschafft, die Strömungen der Zeit aufzugreifen, im Spannungsfeld zwischen Wahrung der Traditionen und Wagen von Neuerungen. Eine 160jährige Geschichte ist ein gutes Fundament, auch für schwierige Zeiten…

 

Beate von Berg